„Zeit zu sterben, Cenk“

Veröffentlicht: 6. Mai 2012 in Aktualisierungen, Film

Cenk Batus letzter Fall führt den Undercover-Ermittler an die Börse. Er ist Teil einer konzertierten Aktion der Regierung, um den neuen Bundeskanzler Grasshof, in der mehrere verdeckte Ermittler mit dem Ziel in Banken eingeschleust wurden, illegale Finanzgeschäfte aufzudecken und konkrete Beweise gegen das undurchschaubare System zu beschaffen. In der Bank gerät Andreas Dobler, ein junger und besonders skrupelloser Trader, ins Visier der Ermittlungen. Doch nachdem Cenk ein geheimes Treffen zwischen Dobler und der mysteriösen Valerie, einer 20 Jahre verschwundenen Auftragskillerin, observiert und dabei entdeckt wird, gerät alles außer Kontrolle.

Valerie soll im Auftrag Doblers den Bundeskanzler töten, die Kurse werden deshalb fallen. Wer das vorher weiß, macht die Milliarden. Doch Valerie ist zu krank für diesen Auftrag, sie entführt Batus Freundin Gloria und zwingt ihn, den Bundeskanzler vor laufenden Kameras zu töten. Macht er es nicht, stirbt seine Freundin.

Am Ende tötet Valerie ihren Sohn, der, nicht uninteressiert an Gloria, diese ein klein wenig unterstützt. Valerie wird vor einem Fernseher sterben, als sie verfolgen will, wie Batu den Kanzler tötet. Und selbst Batu, der sogar für die Rettung seiner Freundin auf seinen Freund und Vorgesetzten Uwe Krohnau schießt, wird diesen letzten Fall nicht überleben, er wird beim Showdown in der Handelskammer von SEK’lern angeschossen und stirbt wenig später im Krankenhaus, nicht ohne seiner Freundin noch zu sagen, dass er den Bundeskanzler für sie getötet hätte.

Am Anfang sind fast alle allein. Am Ende sind fast alle tot. Und die nicht tot sind, sind wieder allein. 

Eine Story, die für einen Tatort doch so absurd und irre klingt. Dennoch überzeugt „Tatort: Die Balladde von Cenk und Valerie“ auf der ganzen Linie und hat Potenzial, bald als eine der besten Tatort-Folgen zu gelten. Mehmet Kurtulus macht einfach alles richtig, der zu allem entschlossene Batu wird von ihm perfekt dargestellt. Corinna Harfouch spielt Valerie, die eiskalte, autistisch veranlagte Killerin, einfach nur grandios. Der Film an sich ist richtig gut gemacht und ein heißer Anwärter auf einen der großen Fernsehpreise. Auch wenn Hollywood schon ähnliche Filme machte – an diese, ca. 1,5 Millionen Euro teure TV-Produktion, kommt keiner heran. Dieser Film hat eigentlich größeres, als eine TV-Ausstrahlung verdient, er gehört auf die Leinwand.  Die Bezeichnung TV-Krimi ist schon fast eine Beleidigung, denn dieser Streifen spielt in einer ganz anderen Liga, er ist ein Actionthriller im großen Stil. Für Menschen, die nur sinnlose Action wollen ist „Die Ballade von Cenk und Valerie“ aber trotzdem nichts, das Gehirn darf man nicht ausschalten.

Ein irrer Abgang für einen coolen Typen!

Mehmet Kurtulus räumt das Feld für Til Schweiger. Er liebe, nach eigener Aussage, das Risiko genau wie Cenk Batu, deshalb kehrt der Wahlberliner Deutschland den Rücken zu, um in den USA an seiner internationalen Karriere zu arbeiten. Aber auch der Erfolg des Hamburger Tatorts blieb aus, was aber laut NDR und Kurtulus nicht der ausschlaggebende Punkt für Kurtulus‘ Abgang gewesen sein soll. Warum der Kommissar mit Migrationshintergrund nicht wirklich erfolgreich war, steht in den Sternen. Möglicherweise ist das deutsche Fernsehpublikum noch nicht so weit, einen türkischstämmigen Kommissaren zu akzeptieren, was sehr traurig wäre. Meiner Meinung nach revolutionierte Batu den Tatort und seine Fälle waren mehr Thriller als Krimis, der Hamburger Tatort war anders als die anderen. Vielleicht hat das dem älteren Tatort-Publikum nicht geschmeckt. Schade, denn Batu hat Spaß gemacht! Die frische, spritzige, actionreiche Machart war etwas besonderes am deutschen Krimi-Himmel und überzeugte mich auf ganzer Linie. Leider sahen das einige Leute wohl anders.

Danke für sechs besondere Tatort-Folgen, Mehmet!

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Kommentare
  1. Herba sagt:

    Ich schaue eigentlich nie Tatort, nur die Folgen mit Mehmet Kurtulus, habe ich mir regelmäßig angekuckt und finde es mehr als schade, daß er aufhört!

    • rbleipzigfan sagt:

      Ja, das ist wirklich schade. Die Tatorte mit Kurtulus waren was Besonderes, waren anders und irgendwie viel moderner als die anderen. Ich bezweifle, dass Til Schweiger an diese tollen Fälle anknüpfen kann.

      • Herba sagt:

        das fürchte ich auch, obwohl er am Anfang seiner Karriere ja schonmal als Assistent von Hannelore Elsner in ‚Die Kommissarin‘ sammeln durfte. Aber ob das für den Tatort reicht 😉

      • rbleipzigfan sagt:

        … ist zu bezweifeln. Warten wir’s ab!

      • Herba sagt:

        Mehr bleibt uns auch gar nicht übrig, aber es ist bei mir definitiv nicht so, daß ich Schweiger als Tatortkommissar entgegenfiebere

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