EM – Die Gruppenphase

Veröffentlicht: 20. Juni 2012 in Sport

Sportschau Rückblick

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Die Gruppenphase der EM 2012 in Polen und der Ukraine ist beendet, rückblickend kann man von einem durchaus gelungenem Turnier sprechen, auch wenn einige Fans schon für Negativschlagzeilen gesorgt haben und die Stadien nicht immer bis auf den letzten Platz besetzt sind.

Die Gruppe A sorgte für eine erste kleine Überraschung, die klar Favorisierten Russen verabschiedeten sich bereits aus dem Turnier, durch die Niederlage gegen die Griechen kamen eben diese ins Viertelfinale, Russland muss den schweren Weg nach Hause antreten. Dies ist aber nur durch eine fragwürdige Regelung der UEFA möglich, die besagt, dass das Torverhältnis dem direkten Vergleich unterzuordnen ist. Auch der Gastgeber Polen muss schon nach der Gruppenphase passen und sich dem Gruppenersten aus Tschechien beugen. Die Russen, die bezüglich ihrer Leistung im ersten Gruppenspiel (4:1 gegen Tschechien), schieden doch sehr überraschend aus, besonders, da sie nach dem Tschechien-Spiel von Lob überschüttet und zu einem der Favoriten wurden. Für Polen begann das Turnier verheißungsvoll, den ersten Turniertreffer erzielte der in Dortmund unter Vertrag stehende Stürmer Robert Lewandowski, nach einer unverdienten gelb-roten Karte gegen Sokratis (44.) verpassten es die Polen, den Sack zuzumachen. Sechs Minuten nach der Pause traf dann der Grieche Salpingidis mit Rechts zum 1:1 Ausgleich. Die Griechen hätten das Spiel sogar noch gewinnen können, hätte Karagounis den fälligen Elfmeter nach einer Notbremse von Arsenal-Keeper Szczesny (Rot in der 69. Minute) nicht gegen den eingewechselten Torwart Tyton, der danach in der EM zu Polens Nummer 1 wurde, verschossen. Die Griechen unterlagen Tschechien am zweiten Spieltag mit 1:2, Polen und Russland trennten sich 1:1. Am letzten Spieltag bezwang eine disziplinierte tschechische Mannschaft Polen mit 1:0. Das Spiel zwischen Griechenland und Russland endete überraschend 1:0, hätte sogar noch höher ausfallen können, hätte Schiedsrichter Jonas Eriksson nach einem eindeutigen Foul gegen Karagounis auf Elfmeter für Griechenland und nicht auf Schwalbe und Gelb entschieden. So fehlt Karagounis im Viertelfinale gegen Deutschland.

Die Todesgruppe B (mit Deutschland, den Niederlanden, Portugal und Dänemark hochkarätig besetzt) zeigte sich für Deutschland als gar nicht so tödlich. Die Elf von Trainer Jogi Löw kam mit mittelmäßigen Leistungen als Gruppenerster mit 9 Punkten ins Viertelfinale (dort wartet Griechenland). Gleich im ersten Spiel überraschten die Dänen, die nach konsequenter Chancenverwertung den Vize-Weltmeister aus den Niederlanden mit 1:0 in die Krise schoss. Deutschland bezwang Portugal am selben Tag nach enttäuschender Leistung durch einen Zufalls-Gomez-Kopfball doch noch mit 1:0. Das Spiel der Dänen gegen Portugal war das erste hochklassige Spiel in besagter Gruppe B. Die Portugiesen gingen mit 2:0 in Führung, die Nicklas Bendtner vom AFC Sunderland in der 41. und 80. Minute ausgleichen konnte. Nebenbei sorgte er durch seine Unterhosenwahl (Schriftzug vom irischen Sportwettunternehmen Paddy Power) für einen Skandal, der ihn teuer zu stehen kommen könnte (100.00 € Geldstrafe und ein Spiel Sperre). Bendtner hatte beim Torjubel nach dem Treffer zum 2:2 sein Trikot angehoben und dabei den Bund seiner Unterhose gezeigt. Er will in Berufung gehen, habe er die Hose doch nur von einem Freund als Glücksbringer geschenkt bekommen. Die Wettfirma stellt sich außerdem vor Bendtner, will die Strafe zahlen, wenn die Berufung nicht akzeptiert wird. Am Ende war der Glücksbringer auch nicht wirklich erfolgreich, der eingewechselte Varela erzielte in der 87. Minute den Treffer zum 3:2 Endstand für Portugal. Das Spiel der Deutschen gegen die Niederlande war eine eher mittelmäßige Partie mit einem überragenden Mann, Mario Gomez, der in der gesamten Gruppenphase den Vorzug vor Miroslav Klose genoss, avancierte in den ersten beiden Spielen zum Matchwinner, er traf gegen die von Bert van Marwijk trainierte Oranje doppelt (Kicker-Note 1). Der Endstand lautete 2:1 (van Persie hatte in der 73. verkürzt).

Die zweite Hammergruppe C mit den letzten Weltmeistern Spanien und Italien, den nicht zu unterschätzenden Kroaten und den in der Qualifikation überragenden Iren (trainiert von Giovanni Trapattoni) barg zwar keine großen Überraschungen, dafür aber den wohl großartigsten Moment der jüngeren EM-Geschichte. Schon im ersten Spiel trafen die beiden Gruppenfavoriten aufeinander, nach einem taktisch hochklassigen Fußballspiel trennten sich Italien und Spanien mit einem leistungsgerechten 1:1. Irland gegen Kroatien war eine klare Angelegenheit. Kroatien bezwang Irland mit 3:1, auch der erste Aufreger der EM trug sich Breslau zu, den Iren wurde ein klarer Elfmeter aberkannt. Am zweiten Spieltag trafen Italien und Kroatien aufeinander, in einem durchschnittlichen Spiel lautete der Endstand 1:1. Im Spiel Spanien gegen Irland dominierte der amtierende Welt- und Europameister das Spiel eindeutig, überforderte Iren hatten nicht den Hauch einer Chance, am Ende stand es 0:4 aus irischer Sicht, doch an diesem Ergebnis störten sich die irischen Fans scheinbar gar nicht. Trotz des massiven Rückstandes besangen sie ihre Mannschaft von der 87. Minute bis weit nach Abpfiff und sorgten mit ihrer atemberaubenden Interpretation des alten irischen Volksliedes „Fields of Athenry“ für eine Gänsehautstimmung, die man als Fußballfan nicht vergessen kann und will. Am letzten Spieltag zitterten sich die Spanier nach einem nicht wirklich verdienten Sieg über Kroatien (1:0) zum Gruppensieg, den Kroaten wurde dabei ein eindeutiger Elfmeter aberkannt und der Ex-Schalker Ivan Rakitic vergab von guter Position eine Riesenchance, als er Casillas nur anköpfte. Die Iren konnten dem Weltmeister von 2006 die EM-Suppe auch nicht versalzen, 2:0 hieß es am Ende. Dennoch feierten die irischen Fans ihre „Boys in Green“ wieder und sicherten sich den Respekt vom italienischen Trainer Cesare Prandelli.

Gruppe D, neben der Ukraine bestückt mit den Mannschaften aus England, Frankreich und Schweden, hatte den größten Aufreger des Turniers zu bieten, dazu an späterer Stelle mehr. Im ersten Spiel gab es gleich die Top-Begegnung zwischen England und Frankreich, das mit einem leistungsgerechten 1:1 endete. Die Ukraine erwischte einen perfekten Start, Schewtschenko drehte einen 0:1 Rückstand innerhalb von sechs Minuten (55. und 61.) zum 2:1 Endstand. Am zweiten Spieltag wurden die Ukrainer aber von souveränen Franzosen gestoppt, verloren 0:2. Die Schweden verabschiedeten sich somit durch die 2:3 Niederlage gegen England vorzeitig aus dem Turnier. Dabei traf Welbeck zum 3:2 für die Engländer mit einem traumhaften Hackentor. Am letzten Spieltag verabschiedeten sich die Schweden versönlich von den Fans, bezwangen die erstaunlich passiv wirkenden Franzosen mit 2:0. Die Ukraine hatte noch die Chance, ins Viertelfinale einzuziehen. Im Spiel gegen die favorisierte englische Mannschaft gerieten sie aber, nach extrem druckvoller erster Halbzeit, durch ein Tor von Wayne Rooney, der die ersten beide Spiele gesperrt war, in der 48. Minute in Rückstand. In der 62. Minute klärte der englische Verteidiger John Terry einen Schuss von Marko Devic, der  Ball war vollständig hinter der Linie. Das 1:1! Doch der Torrichter, der nur wenige Meter neben der Linie stand, sah das anders, Schiri Kassai entschied so trotz berechtigter Proteste auf Weiterspielen.

So viel erstmal zur Gruppenphase, hier noch die Begegnungen der Virtelfinals:

Viertelfinale 1
21.06.12 – 20.45 – Warschau

Sieger Gruppe A – Zweiter Gruppe B
Tschechien – Portugal

Viertelfinale 2
22.06.12 – 20.45 – Danzig

Sieger Gruppe B – Zweiter Gruppe A
Deutschland – Griechenland

Viertelfinale 3
23.06.12 – 20.45 – Donezk

Sieger Gruppe C – Zweiter Gruppe D
Spanien – Frankreich

Viertelfinale 4
24.06.12 – 20.45 – Kiew

Sieger Gruppe D – Zweiter Gruppe C
England – Italien

 

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