Filmkritik: „Die Frau in Schwarz“

Veröffentlicht: 25. Januar 2013 in Aktualisierungen, Film
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Meine erste ausführliche Filmkritik! Enjoy!!!

OT: The Woman in Black
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 (DVD)
Produktionsland: Großbritannien, Kanada, Schweden
Regie: James Watkins
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Daniel Radcliffe, Ciarán Hinds, Janet McTeer, Liz White
Genre: Horror, Thriller, Drama

Trailer: siehe Youtube

Story: Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert: Nach dem Kindsbett-Tod seiner Frau steht Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) vor den Trümmern seines Lebens. Um seinen Job in einer Anwaltskanzlei nicht zu verlieren, soll er im Provinzkaff Crythin Gifford den Nachlass der verstorbenen Witwe Alice Drablow regeln. Doch schon kurz nach seiner Ankunft häufen sich merkwürdige Ereignisse: Nicht nur, dass ihn die Dörfler zum sofortigen Verlassen des Dorfes auffordern, auch die Kinder vor Ort scheinen unter dem Einfluss einer unbekannten und tödlichen Macht zu stehen. Immer tiefer gerät Kipps in die dunklen Geheimnisse des Ortes und er beginnt zu ahnen, dass er grauenvollen Ereignissen aus der Vergangenheit auf der Spur ist.

Kritik: Der Film basiert auf der 1983 erschienenen Novelle The Woman in Black der britischen Autorin Susan Hill. Das Werk ist bereits 1989 für das Fernsehen verfilmt worden, außerdem gab es Theater- und Hörspieladaptionen. Regisseur James Watkins sammelte schon mit dem 2008 angelaufenen Horror-Drama Eden Lake, seinem ersten FilmErfahrungen im Horror-Genre. Sein Erstlingswerk galt als positive Überraschung, laut Rotten Tomatoes gaben ihm 83% der Kritiker eine positive Wertung, in Deutschland wurde die Uncut-Version zu Eden Lake indiziert, die gekürzte Version erhielt von der FSK keine Jugendfreigabe. Jane Goldman schrieb das Drehbuch zu Die Frau in Schwarz, die Britin wirkte unter Anderem bei Kick-Ass und Eine offene Rechnung als Ko-Autorin mit. Der Film wurde von den legendären Hammer-Studios produziert, die für Genre-Klassiker wie Dracula mit Christopher Lee und Frankensteins Fluch mit Peter Cushing verantwortlich waren, dann aber insolvent gingen und 2007 vom niederländischen Filmproduzenten  John de Mol wiederbelebt wurden und sofort am genialen Vampir-Drama-Remake Let Me In mitwirkten. Mit Die Frau in Schwarz kehren die Hammer-Studios zu ihren Erfolgswurzeln zurück – dem Gothic-Horror.
Als Hauptdarsteller wurde kein geringerer als Daniel „Harry Potter“ Radcliffe verpflichtet, dem Ciarán Hinds als zweiter hochkarätiger Schauspieler zur Seite steht. Doch kann Radcliffe sein „Potter“-Image so einfach ablegen und in einem so ernsthaften Film überzeugen? Er kann – und wie er kann. Emotional, tiefgründig und spannend kommt der neue Gruselfilm daher, der nicht nur bloße Horrorszenarien aneinanderreiht, sondern eine dramatische und hochspannende Geschichte erzählt. Radcliffe brilliert regelrecht in seiner Rolle als trauernder alleinerziehender Vater, der versucht sowohl seinem Beruf als auch seinem Sohn gerecht zu werden. Dazu trägt wohl auch der Darsteller des kleinen Joseph Kipps bei, Misha Handley ist Radcliffes Patensohn und so ist die Vater-Sohn-Beziehung perfekt gelungen und wirkt nicht gekünstelt. Radcliffe verschmilzt völlig mit der Figur des Arthur Kipps. So groß der Schrecken auch sein mag, den er erlebt, er kann nicht davonlaufen. Irgendwie will er auch an das Gesehene glauben, in der Hoffnung, dass seine verstorbene Frau in einer anderen Welt auf ihn wartet. Ciarán Hinds überzeugt als durch und durch weltlicher Samuel Daily, der nicht an Geister glaubt oder besser gesagt nicht glauben will, und auch von der Vergangenheit gezeichnet ist. Außerdem jagt Liz White dem Zuschauer als Frau in Schwarz ordentliche Schrecken ein. Janet McTeer stellt die Frau von Samuel Daily wahnsinnig gut dar, die immer wieder gedanklich von ihrem verstorbenen Sohn besetzt wird und Botschaften aus dem Jenseits überbringt.
Anstatt auf Blutfontänen setzt Watkins hier auf Atmosphäre – und das gelingt ihm denkbar gut. Das England seines Films ist regnerisch, düster und nebelverhangen, die Gemäuer sind modrig und voller gotischer Accessoires. Die Atmosphäre steigert sich mit Fortlaufen des Filmes ins Unfassbare, man zieht die Knie fast schon automatisch heran und schaut zur Tür und zum Fenster, ob da nicht irgendwo etwas zu erkennen ist. So lässt einem schon das Knarren einer Diele und das Flackern einer Kerze im Film das Blut in den Adern gefrieren. Es gibt Puppen, Spieluhren, endlos lange Korridore, untote Kinder, Spiegel (übrigens genial genutzt) und einen furchteinflößenden Geist. Und dennoch gelingt es fast nie, den nächsten Schockeffekt vorauszusehen oder auch nur zu ahnen.
Der Streifen ist genial gefilmt und beleuchtet. Auch wenn der Film vor Grusel-Klischees nur so strotzt, er ist trotzdem einfach überzeugend. Selbst Hitchcock-mäßige Suspense-Momente lässt Watkins in seinen Film einfließen. Hier wird die alte Horror-Schule zelebriert, mit Kamerafahrten über das triste und neblige Marschland anstatt verwackelten Handkameras, mit knarzenden Dielen und dunklen Korridoren, surrealen Selbstmorden und immer wieder mit einem schwarz gekleideten Geist. Wie Watkins die Spannung aufbaut, das ist so gruselig wie erstklassig. Watkins weiß, wie man seine Zuschauer schockt. Dazu überzeugen die düstere Musik von Marco Beltrami und die tollen Soundeffekte. Das Ende ist so genial wie unkonventionell. Und ein zweiter Teil ist nach dem riesigen Erfolg (Budget: 15 Millionen US-$, Einspielergebnis: 127,7 Millionen US-$) schon in Planung.
Fazit: Meiner Meinung nach ein toller, altmodischer Grusel-Film, der ohne Blutexzesse und abgehackten Gliedmaßen, sondern durch eine wahnsinnig dichte und gruslige Atmosphäre besticht. Ein Film, bei dem einem der kalte Schweiß über den Rücken läuft und man sich immer wieder in seinen eigenen vier Wänden umschauen muss, ob sich in irgendeinem Schatten nicht doch irgendetwas bewegt hat. Watkins gelingt ein toller Film, der aufgrund seines „hohen ästhetischen Wertes“ von der Deutschen Film- und Medienbewertung völlig zurecht das „Prädikat wertvoll“ verliehen bekommen hat.
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