Willkommen in Hamburg!

Veröffentlicht: 10. März 2013 in Aktualisierungen, Alltag, Film
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Es wurde ja viel gelästert über Til Schweiger als Tatort-Kommissar, ein Shitstorm sondergleichen kann man fast schon sagen. Hier war es der Name, der dem Star nicht passt, dort war es der Vorspann, der laut Schweiger ‚outdated‘ ist (da hat er übrigens völlig Recht!). Jedenfalls war das für jeden Tatort-Fundamentalisten ein Sakrileg. Doch Schweigers erster Tatort müsste auch seine größten Kritiker zum Verstummen bringen.

Ich war ja nach Mehmet Kurtulus‘ Abgang auch erst skeptisch, ob Schweiger in die großen Fußstapfen treten kann, oder ob er kläglich scheitern wird. Trotzdem habe ich mich seit drei Wochen auf den heutigen Tatort gefreut, ohne Witz.

Die Ausgangslage:  „Blutbad bei LKA-Einsatz“, titelt die Zeitung. Verantwortlich für die Schlagzeile ist der neue Hamburger Ermittler Nick Tschiller. Er soll mit Partner Yalcin Gümer eigentlich nur eine Wohnung überprüfen. Aber vor Ort trifft er auf verschleppte Mädchen, die zur Prostitution gezwungen werden – und mehrere Gangster. Es kommt zur Schießerei. Das Resultat: drei tote Verbrecher, eine Schusswunde für Gümer und viel Ärger für Tschiller. Er will die Mädchen retten. Hat sein Expartner Max etwas mit der Sache zu tun?

Um diese Story konstruierte Regisseur Christian Alvart den neuen Tatort, der eher als Action-Thriller als als TV-Krimi daherkommt. Die Action ist grandios gemacht, harte Schießereien und der Einsatz von Handkameras zeigen ihre Wirkung und erinnern an richtig gute US-Achtionfilme á la Stirb langsam oder an das Vorbild für Willkommen in Hamburg, Lethal Weapon. Das macht a) großen Spaß und ist b) einfach etwas erfrischend neues in der Reihe der teilweise zu politischen Tatorte der letzten Zeit, die kaum Action intus hatten (damit meine ich natürlich nicht die grandiosen Wiener Fälle, oder alle etwas actionreicheren Fälle der letzten Zeit). Die Besetzung ist durch die Bank weg perfekt, Schweiger nimmt man den Actionheld auf der einen und liebevollen, natürlich geschiedenen, Vater auf der anderen Seite wirklich ab. Seine Tochter Luna gefällt in der Rolle als seine Filmtochter Lenny, dazu gesellt sich der grandiose Mark Waschke, der Tschillers ehemaligen Partner Max Brenner (Wie der Pass. – Welcher Pass? Wie der Tunnel!“) herrlich fies verkörpert. Nicht zu vergessen ist aber der geniale Fahri Yardim als Tschillers „Neuer“ Yalcin Gümer, der nach seiner Verletzung im Krankenhaus liegt und Nick mit Rat und Tat unterstützt und nebenbei die Krankenschwester anbaggert.

Dieser Tatort macht Schluss mit konventionellen Fällen, Schluss mit zänkischen Kommissaren und Gerichtsmedizinern, Schluss mit Psychologen, Schluss mit langwierigen Ermittlungen – er macht kurz gesagt Schluss mit dem herkömmlichen Tatort. Tschiller löst seine Probleme gerne mit der Pistole und das ist einfach nur saucool.

Auch der Humor kam nicht zu kurz. Da wäre zum einen der Schwanzwergleich (im wahrsten Sinne des Wortes) von Tschiller und Komissar Falke (Wotan Wilke-Möhring), dem anderen neuen in Hamburg, zum anderen hätten wir noch coole Dialoge zwischen Tschiller und Gümer, außerdem gäbe es da noch die Rollstuhlfahrer-Geschichte und der Spruch des Abends „Schiller wie der Dichter?“ – „Welcher Dichter? Nee, mit T vorne. Tschiller. Ich nuschel ’n bisschen.“ – so wunderschön selbstironisch kann Schweiger sein, klasse.

Dieser Tatort war einfach genial und hätte genauso gut ein klasse Kinofilm sein können. Nächstes Jahr kommt Schweigers zweiter – schade, einmal Tschiller pro Jahr ist echt zu wenig!

Man kann nur sagen: Weiter so, genau das wollen wir sehen!

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