Mit ‘horror’ getaggte Beiträge

Die PlayStation 4 steht schon in den Startlöchern, da bringt Sony nochmal ein PS3-Game raus, das äußerst vielversprechend klingt und verdammt nochmal neugierig macht. Da ich selbst keine PlayStation besitze, habe ich bei einem Freund mit ihm dieses Spiel getestet und möchte jetzt hier meinen Eindruck der ersten 6/7 Stunden vermitteln.

Story:

Zu einem guten Game gehört natürlich auch eine gute Story, die in TLOU absolut filmreif und ohne Löcher daherkommt.
Wir befinden uns im Jahr 2033, 20 Jahre zuvor hat ein Pilz Millionen von Menschen getötet und/oder mit einer Infektion zu seinen Wirten gemacht. Die Städte mussten aufgegeben werden und die Überlebenden wurden in Quarantänezonen gesperrt und unter Militäraufsicht gestellt. Das Militär sucht nach Infizierten, um diese dann zu exekutieren. Der Hauptprotagonist Joel, ein Schwarzhändler aus Boston, dessen Lebensgeschichte so bewegt wie bewegend ist, verspricht seiner Freundin in diesem Szenario, dass er die 14-jährige Waise Ellie zu den Fireflies, einer Widerstandsbewegung gegen die brutale Regierung, bringen wird. Was folgt ist eine Odyssee durch die postapokalytischen Vereinigten Staaten mit Begegnungen, Fluchten, Kämpfen und Schocks.
Dieses Grundgerüst der Story wird im Spiel mittels Texten von verschiedenen Personen genauer und wahnsinnig komplex erzählt. Dabei ist die Story so klug durchdacht und perfekt erzählt, dass schon allein sie dem Spieler den ein oder anderen Schauer über den Rücken jagt und zum Nachdenken zwingt. Jedenfalls können eifrige und kluge Zocker ordentlich über die Story über Verlust, Gewalt, Menschlichkeit und Menschheit philosophieren.
Ja, TLOU ist sehr storylastig, aber das muss so sein, um überhaupt ein Gefühl für die Welt zu bekommen. Sowas hat man selten in Videospielen und es ist einfach genial.
5/5

Atmosphäre:
Wow! Schon die ersten Blicke in diese Welt faszinieren sofort. So düster und rau, hoffnungslos verloren, brutal und dennoch irgendwie schön. Hier wirkt alles böse und die klug ausgefeilten Charaktere geben den letzten Touch. Und ja, man macht sich beim Spielen Gedanken, wo man selbst in dieser Welt stehen würde, was man tun würde, wenn man selbst Joel wäre.
Manchmal läuft man minutenlang durch die Gegend, findet keinen Gegner, sucht alles ab und erwartet hinter jeder Ecke einen oder gleich drei Zombies – oftmals wird man in die Irre geführt, aber wenn man doch einen Gegner erblickt, erschrickt man sich teilweise fast zu Tode. So entstehen Momente, regelrechte Suspensemomente, die man sonst nur in Filmen bekommt.
Auf die Atmosphäre wirken sich auch das ruhige Erzähltempo und die Weiterentwicklung der Charaktere im Verlauf der Geschichte positiv aus, genau wie Dialoge und Erkundungszüge durch verlassene Häuser und Straßen.
Vergleichbar ist die Atmosphäre in TLOU mit den Filmen 28 Days LaterThe Road und der Doku-Reihe Zukunft ohne Menschen.
5/5

Sound:
Auch hier gelingt der große Wurf: die Soundeffekte sind einfach große Klasse. Da die sogenannten Clicker, so werden die Infizierten der dritten Stufe genannt, orten ihre Zielpersonen, also den Spieler, mittels Echoortung, sie achten also auf Geräusche. Man versucht sich im Spiel so leise wie möglich zu bewegen und weiß, dass jedes kleine Geräusch sofort einen Clicker auf sich hetzen könnte.
Ein weiterer Soundpunkt sind die Geräusche der Infizierten, wenn sie in der Nähe sind oder, und das ist noch schlimmer, wenn sie Joel angreifen, um ihn zu töten. Solche grausamen Geräusche lassen selbst den abgehärtetsten Zocker zusammenfahren. Auch Wind und Umgebungsgeräusche, wie knarrende Türen, wurden toll dargestellt und können schon mal einschüchternd wirken.
Die Synchronisation ist sehr gut, auch wenn man in der deutschen Sprachversion versäumt hat, alles genau auf die Sekunde mit den Lippenbewegungen einhergehen zu lassen.
Der letzte Punkt, der soundtechnisch auffällt, ist der Soundtrack,m denn so perfekt wie in TLOU ist kaum ein Vdeospielsoundtrack. Komponiert wurde der durchweg ruhige Score von keinem Geringeren als dem doppelten Oscarpreisträger Gustavo Santaolalla (2006 für Brokeback Mountain, 2007 für Babel). In den Score hat sich kaum eine unheimliche Harmonie eingeschlichen und genau das macht ihn so unheimlich und die Welt wirkt so noch düsterer und verlassener.
5/5

Gameplay:
Die Kämpfe, das fällt auf, sind Standartware und der Umgang mit Waffen lässt erkennen, dass Naughty Dog eben auch Uncharted entwickelt hat, denn der ist im Prinzip genau wie in der Abenteurer-Serie um Nathan Drake.
Einige Neuerungen stellen dann aber das Verwenden mit Baseballschlägern, Eisenstangen und anderen Schlagwaffen, die man gegen seine Gegner einsetzt. Außerdem verrichtet die Gegner-KI einen ordentlichen Job – Clicker stellen immer eine große Gefahr für alle Beteiligten dar. Kleiner Kritikpunkt ist die KI der eigenen Verbündeten/Freunde, die selten bei Versteck-Aktionen einfach ins Blickfeld des Gegners rennen und ihn auf sich locken.
Das Schleichen ist auch sehr ordentlich gelöst, stellt es doch oft den einzigen Weg dar, leise und unbemerkt vorwärts zu komen. Außerdem kann man sich auch an Gegner heranschleichen, um diese dann munitionssparend und leise zu beseitigen. Außerdem verfügt man im Laufe des Spiel über eine weitere leise Waffe: Pfeil und Bogen. Diese beiden sind mir treue Freunde geworden, kann man mit ihnen Gegner doch aus der Ferne geräuschlos töten.
Um die Gegner abzulenken kann man Backsteine oder Glasflaschen werfen, um sie auf den Ort zu locken, an den die Gegenstände geflogen sind, damit man selbst leise davonschleichen kann.
Man hat nur äußerst wenig Munition, und genau das erzeugt brutale Authentizität, die die Atmosphäre nochmal verstärkt. Genau wie undurchdachtes Vorgehen fast immer einen fiesen Tod zur Folge hat. Old-School vom Feinsten!
Außerdem verlieren Gegner einige Dinge wie zum Beispiel Munition, die man aufsammeln kann. Auch in Häusern oder auf Straßen findet man hin und wieder nützliche Gegenstände, aus denen man beispielsweise Waffen oder Medi-Kits basteln oder mit denen man seine Nahkampfwaffe verbessern kann, auch wenn diese Aufwertung nur für einige schläge hält – der Authentizität sei’s geschuldet. Das deutet auch darauf hin, dass TLOU kein Action-Shooter wie Resident Evil 6 ist.
Mit Werkzeugen und verschiedenen Teilen kann man außerdem seine Waffen an einzelnen Werkbänken, die man aber vorher finden muss, verbessern (wie Präzision, Reichweite oder Fassungsvermögen des Magazins).
Außerdem verbessern Pillen, die man finden kann die Lebensenergie.
Im Großen und Ganzen ist auch das Gameplay überzeugend, und einleuchtend, gerade weil es nichts verkompliziert und auch die Old-School-Elemente wissen zu gefallen.
Spielspaß ist also auf jeden Fall gegeben, auch wenn man bei den tragischen und harten Szenen kaum noch vom Wort Spaß sprechen kann, aber genau die machen dieses Spiel aus und machen es so einzigartig – der Ausgleich zwischen Tragik und Spannung, Anspruch und Kämpfen, so muss ein Spiel aussehen und so macht es auch Spaß.
5/5

Grafik:
Das Beste, das man derzeit zu sehen bekommt! Tolle Texturen, tolle Animationen und tolle Darstellungen von Bewegungen machen TLOU zu einer Augenweide, die über alles erhaben zu sein scheint. Die überzeugende Grafik der Uncharted-Reihe wird hier nochmal um Welten überboten und das wirkt sich auch positiv auf die Atmosphäre aus. Top!
5/5

Fazit:
Mit „The Last of Us“ kam vor dem Erscheinen der PlayStation 4 nochmal ein geniales PS3-Spiel heraus, das nichts anderes als das beste Spiel der letzten Jahre ist und wohl einer DER Kultklassiker schlechthin werden wird – und das völlig zurecht.
Eine dichte Atmosphäre, starke Story, überzeugendes Gameplay und eine geniale Grafik machen TLOU zu einem Spektakel, dem man sich nicht entziehen kann und das einige richtig krasse Jumpscares mit sich führt!
Die 18er-Freigebe ist übrigens durchaus berechtigt, da es ordentlich zur Sache geht und auch mal Köpfe zerschmettert, abgetrennt oder Menschen zerfleischt werden, außerdem schocken einige Momente, wie ich es bisher nur beim ersten Mal Slender erlebt habe.

„The Last of Us“ ist bahnbrechend, schockierend und absolut genial – kurz: ein Muss für alle, die Survival-Horror und Endzeit-Abenteuer mögen.

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Hölle im Eis

Veröffentlicht: 11. Juli 2013 in Aktualisierungen, Buch
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Inhalt:

London 1937: Eine Gruppe junger Engländer bricht zu einer Forschungsreise in die Arktis auf. Doch die Expedition steht unter keinem guten Stern: Ein Teilnehmer nach dem anderen fällt aus, der Kapitän weigert sich, sie zu ihrem Bestimmungsort zu bringen. Zu dritt erreichen sie endlich Gruhuken. Die Einheimischen meiden den Ort. Reiner Aberglaube, davon sind Jack und seine Freunde überzeugt. Als einer von ihnen erkrankt und nur Jack zurückbleibt, häufen sich die merkwürdigen Vorfälle. Der arktische Winter naht. Schon bald ist Gruhuken von der Außenwelt abgeschnitten. Doch Jack ist überzeugt, nicht allein auf der Insel zu sein. Vor den Fenstern lauert etwas.

Meinung:

Der Klappentext klingt wirklich vielversprechend und so habe ich mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Schon im Vornherein kann man sagen, dass meine wirklich hohen Erwartungen nochmal getoppt wurden. Warum?, das kläre ich im Folgenden.

Die Geschichte ist aus Jack Millers Perspektive, meist in Form seines Tagebuches, erzählt. Diese subjektive Betrachtung der Dinge ist ein erster Punkt, der mir wirklich sehr gut gefallen hat. Jack ist ein äußerst interessanter Charakter, mit Ecken und Kanten, arm, sehr sympathisch, er versucht mit dieser Expedition einen Start in ein neues Leben. Im Laufe der Geschichte entwickelt er sich glaubhaft weiter, überhaupt spielt das Thema „Entwicklung“ eine sehr große Rolle im Roman.
Zudem erfährt man anfangs viel über die Vorbereitungen der Expedition, die im Tagebuch festgehalten wurden und die Hintergründe der Expedition, sowie die Anreise und die Ankunft in Gruhuken. Erste Andeutungen auf die späteren Ereignisse fallen aber schon in diesem Teil – der Tod des Vaters eines Expeditionsmitgliedes, der Leichnam aus der Themse, der Widerwillen der Schiffsbesatzung, Gruhuken anzulaufen.
Im zweiten Teil, der mit dem Tag mit der ersten Nacht des Winters beginnt, gibt es eine erste Begegnung mit dem Grauen. Schon diese erste Szene ist so verdammt gruslig, obwohl sie doch ganz nüchtern geschildert wird. Der gesamte zweite Teil baut dann eine riesige Spannung auf und spätestens mit der krankheitsbedingten Abreise von Algie und Gus lässt das Buch einen nicht mehr los.
Die Isolation, Dunkelheit, Kälte und Angst schleicht sich in den Leser, oft fröstelt man beim Lesen und achtet auf jedes Geräusch in seiner Umgebung.

Die Beschreibungen sind wahnsinnig bildhaft, der Horror kommt schleichend, ist subtil, steigert sich, die Spannung zerreißt einen förmlich. Was der Geist ist, woher er kommt usw. wird zwar spekuliert, aber nicht über Seiten hinweg erklärt, so bleibt immer das Gefühl der Unwissenheit. Vieles spielt sich im Kopf des Lesers ab. Schon das Wissen um die Anwesenheit des Grauens erzeugt eine dermaßen starke Atmosphäre, dass einem mehr als einmal die Luft weg bleibt. Wieso man sich teilweise über die Geschichte aufgeregt hat, dass sie nur Mittel zum Zweck wäre, erscheint mir schleierhaft. Die Bilder, die Paver durch ihren Schreibstil projiziert, sind einfach grandios. Gruhuken erscheint scheinbar greifbar nah vor dem inneren Auge.

Neben der Horrorgeschichte ist „Dein Ende wird dunkel sein“ auch eine Reise in die Psyche eines Mannes, der allein und in Dunkelheit lebt und als einzigen Strohhalm zum Festklammern seine Routine hat. Die Panik in Jack überträgt sich förmlich auf den Leser. Darüberhinaus ist das Buch ein harter Selbstfindungstrip und eine Geschichte über die Beziehung von Mensch zu Hund und vom Schrecken des Alleineseins.
Ein genialer Roman bis zum erschreckenden Finale!

Das Buch muss man gelesen haben, um sich ein Bild davon zu machen. In einer Rezension ist das praktisch nicht zu beschreiben, wie brillant es ist!

Fazit:

Mit „Dein Ende wird dunkel sein“ gelingt Michelle Paver ein Geniestreich im Genre der Horrorliteratur. Vor den großen Namen der Horrorliteratur wie Stephen King, Susan Hill oder Edgar Allen Poe braucht sie sich nicht zu verstecken. Ich gehe sogar noch weiter: „Dein Ende wird dunkel sein“ ist einer der grusligsten Roman, die ich je gelesen habe und spielt in einer Liga mit den Größten des Horrors. Ein Meisterwerk, dass eine Verfilmung verdient hat.

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Als Filmfan legt man sein Augenmerk ja bekanntlich auch auf die Darsteller, denn ohne gute Darsteller gibt es keinen guten Film.

Geben wir es zu, am meisten faszinieren uns die „bösen“ Charaktere, egal, ob sie im Zentrum der Handlung stehen, oder als Nebencharaktere auftreten. In meinem Ranking können daher auch Hauptcharaktere vorkommen.

Da dieses Ranking ein subjektives aus meiner Sicht ist, können die Ansichten der Leser von meinen natürlich abweichen, da ich natürlich auch einige Filme, in denen richtig fiese Charaktere vorkommen noch nicht gesehen habe. Über weitere „Schurken“ kann gerne in den Kommentaren geschrieben werden, außerdem, wenn eure Ansichten an manchen Stellen etwas anders sind und ihr meint: „So toll ist der aber nicht gewesen!“ oder „Was? Der ist doch noch schlimmer gewesen als in dem Ranking“.

Platz 30: Dennis Hopper als Howard Payne in „Speed“. Im 90er-Kultfilm stellt Hopper den Ex-Cop und Erpresser Payne große Klasse dar. Seine Einfälle gingen jedenfalls in die Filmgeschichte ein.

Platz 29: Olivier Schneider als Smith in „Unknown Identity“. Wer? Eine sehr kleine, aber meiner Meinung nach ziemlich fiese Rolle. Smith ist ein Auftragskiller, der Martin Harris beseitigen soll. Seine kurzen und fast wortlosen Auftritte sind toll getimt und sorgen für ordentlich Spannung. Für mich besser als Frank Langella und Stipe Erceg als Schurken in diesem Film.

Platz 28: Vincent Cassel als Jean-François de Morangias in „Der Pakt der Wölfe“. Ein Auftritt, den ich so schnell nicht vergessen werde, da Cassel den wahnsinnigen Jean-François stark dargestellt hat. Besonders die Szene, in der er sich an seiner Schwester vergreift und man bemerkt, dass sein Arm doch nicht fehlt, hat michj begeistert. Dennis Hopper als Howard Payne in „Speed“. Im 90er-Kultfilm stellt Hopper den Ex-Cop und Erpresser Payne große Klasse dar. Seine Einfälle gingen jedenfalls in die Filmgeschichte ein.

Platz 27: Bruce Willis als Generalmajor William Devereaux in „Ausnahmezustand“. Das Militär marschiert nach eine Serie von Anschlägen in New York City ein und riegelt Brooklyn ab. Arabischstämmige und Muslime werden rechtlos und ohne Verhandlung in Lagern gefoltert und festgehalten. All das geschieht unter der Aufsicht des Generals, der sich selbstgefällig und eiskalt gibt.

Platz 26: Arno Frisch als Paul in „Funny Games“. „Funny Games“ ist ein extrem harter Film mit Susanne Lothar und Ulrich Mühe in den Hauptrollen. Frank Giering und Arno Frisch spielen zwei sadistische Jugendliche, die eine Familie zu Tode quälen. Der Anti-Gewalt-Film (richtig gelesen) des für „Liebe“ mit dem Oscar ausgezeichneten Regisseurs Michael Haneke fragt, wie weit Gewalt in  den Medien gehen sollte. Arne Frisch’s Performance war noch einen Zacken schärfer und härter als die von Giering.

Platz 25: Johnny Depp als Sweeney Todd in „Sweeney Todd – Der teuflische Barbier aus der Fleet Street“. Ein Barbier, der nach seiner Deportation nach Australien zurückkehrt und Rache nehmen will, an dem Richter, der ihn zu Unrecht in die Verbannung schickt. Jedoch weitet sich sein Hass auf alle Menschen aus und schon mordet er sich näher an Richter Turpin. Der verrückt bis skurrile Auftritt ist großes Kino und hätte möglicherweise sogar noch weiter oben ein gutes Plätzchen gefunden, aber egal.

Platz 24: Pete Postlethwaite als Florist Fergie in „The Town – Stadt ohne Gnade“. Der Auftraggeber für Doug MacRay’s Gruppe von Räubern, die in  Charlestown/Boston Banken und Geldtransporter ausrauben. Fergie ist ein alter, gebrechlicher Mann, von dem aber eine ungeheure Energie und Aura der Bedrohung ausgeht. Er schreckt vor nichts zurück und ist zu allem fähig.

Platz 23: Jared Harris als Professor James Moriarty in „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“. Der Sherlock Holmes geistig ebenbürtige Professor, der hohes Ansehen genießt, aber ein dunkles Zweitleben führt, hat mich am zweiten Teil von Guy Ritchies Erfolgsreihe besonders begeistert und war kühl gespielt, genau so wie das sein muss.

Platz 22: Tom Wilkinson als Paul Emmett in „Der Ghostwriter“. Ein Mann, der in Verbindung mit der CIA steht und alles Mögliche versucht, um zu verhindern, dass ans Licht kommt, dass die Politik des britischen Ex-Premiers Adam Lang US-gesteuert war. Ein brisanter Stoff mit einem starken, im Hintergrund agierenden Bösewicht.

Platz 21: Sir Ian McKellen als Sir Leigh Teabing in „The Da Vinci Code – Sakrileg“. Eine wunderbare Wandlung nimmt Teabing in der Verfilmung von Dan Browns Verschwörungsthriller ein. Vom Sympathieträger zum Badass – toller Auftritt des großen Sir McKellen. Ein Mann, der zu allem bereit ist, um den heiligen Gral zu finden, dem Kollateralschäden einfach egal sind.

Platz 20: Brendan Gleeson als David Barlow in „Safe House“. Ein waschechter Verräter, der ein Killer-Kommando anheuert, um Tobin Frost, der brisante Informationen über Geheimdienste besitzt zu beseitigen. Das ist einfach nur stark gespielt, da sich Barlow von einer Vaterfigur zum Mörder entwickelt.

Platz 19: Sir Ben Kingsley als Dr. John Cawley in „Shutter Island“. Sicher nicht der eigentliche Bösewicht, aber das kommt erst am Ende heraus und so lässt man den Zuschauer im Glauben, dass der aalglatte Leiter der Anstalt doch nicht die Absichten hat, die er vorgibt zu haben. Kingsley spielt das wie gewohnt einfach nur grandios.

Platz 18: Jack Nicholson als Frank Costello in „Departed – Unter Feinden“. Nicholsons Darstellung des skrupellosen Mafiabosses, der seine Leute einfach überall hat,  ist einfach brillant. Mehr muss man dazu nicht sagen, einer der besten Paten der Filmgeschichte.

Platz 17: Sir Ian Holm als Sir William Gull in „From Hell“. Ein Gespenst geht um in London – Jack The Ripper. Natürlich kein echtes Gespenst, aber irgendwie schon. Verrückt. Der Leibarzt der königlichen Familie, Sir William, gibt vor, Inspektor Abberline zu unterstützen, während er sich durch Londons Prostituierte mordet, die bei einer Hochzeit zugegen waren, die nicht sein durfte. Toll!

Platz 16: Richard Jenkins als Der Vater in „Let Me In“. Der Mann ist natürlich nicht der Vater von Abby, die in Wirklichkeit ein Vampir ist, gibt sich aber als dieser aus. Für Abby tötet er Leute, die er dann ausbluten lässt, um das Blut für Abby mitzunehmen. Er ist nicht der typische Bösewicht, eher der unfreiwillige, aber seine Taten sind, und das ist entscheidend, keine „guten“ Taten. Die Darstellung dazu ist überragend.

Platz 15: Anthony Perkins als Norman Bates in „Psycho“. Der psychopathische Eigentümer eines abseits gelegenen Motels ging in die Filmgeschichte ein. Die Darstellung einen Mannes mit gespaltener Persönlichkeit ist schlichtweg grandios. Warum dann nur Platz 15? Der Film ist ein etwas älteres Semester und so stark er auch ist, schocken konnte mich die Darstellung nicht mehr wirklich.

Platz 14: Mark Strong als Clive Cornell in „The Guard – Ein Ire sieht schwarz“. Auf der einen Seite ein eiskalter und abgebrühter Gangster, auf der anderen ein Mann, der von seinem „Job“ genug hat und dem seine Komplizen einfach nur auf den Sack gehen. Er zitiert Bertrand Russell und neigt überhaupt zur Philosophie. Ein wunderbar lakonischer und trockener Auftritt des Briten!

Platz 13: Ben Whishaw als Jean-Baptiste Grenouille in „Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders“. Eine phänomenale Darstellung des Psychopathen Grenouille, der besessen davon ist, das unltimative Parfüm herzustellen und dafür vor Mord nicht zurückschreckt. Whishaw lässt Grenouille aber noch einen kleinen Funken Menschlichkeit innewohnen, wie es im Buch nicht der Fall ist, was diese Darstellung aber so unverwechselbar macht.

Platz 12: Tom Cruise als Vincent in „Collateral“. Der Auftragskiller Vincent, der im Auftrag eines Drogenkartells die Zeugen und die Staatsanwältin beseitigen soll, ist routiniert und eiskalt. Die Fahrten im Taxi und seine Sprüche da, die philosophisch, manchmal witzig und cool sind, machen ihn aber fast zu einem Sympathieträger, bis er ohne mit der Wimper zu zucken einen Menschen tötet. Der wohl coolste Killer der Filmgeschichte!

Platz 11: Clive Owen als Dalton Russell in „Inside Man“. Der cleverste Bankräuber der Filmgeschichte ist eindeutig dieser Mann. Das Psychoduell mit Detective Frazier ist immer wieder genial anzusehen und seine Ideen sind immer wieder genial. Russell ist nicht übermäßig brutal und ein brillanter Stratege. Owen spielt ihn famos und als einen heimlichen Sympathieträger.

Platz 10: Christoph Waltz als Hans Landa in „Inglourious Basterds“. Ein Charakter, den man ohne Umschweife als „böse“ bezeichnen muss! Eiskalt, zynisch, gefährlich. Muss man nicht mehr dazu sagen.

Platz 9: John Travolta und Samuel L. Jackson als  Vincent Vega und Jules Winnfield in „Pulp Fiction“. Die beiden Auftragskiller, die mit tollen Dialogen und einer wahnsinnigen Abgebrühtheit punkten können. Das Gangsterpaar hat die Filmgeschichte maßgeblich beeinflusst und um viele Zitate bereichert.
Auf diesem Platz 9 befindet sich aber noch ein zweites, genau so cooles Paar. Und zwar Roeland Wiesnekker und Hans Uwe Bauer als Maier und Bommer im ZDF-Fernsehfilm „Mörderische Jagd“. Die Vorbilder der beiden erkennt man, nur ist dieses Paar noch einen Zacken skurriler, von der Brutalität können sie es auch fast mit Vincent und Jules aufnehmen. Die besten Gangster in einem Fernsehfilm!

Platz 8: Leonardo DiCaprio als Calvin Candie in „Django Unchained“. DiCaprio gelingt eine grandiose Darstellung des Sklavenhalters und Plantagenbesitzers, der ein wahrer Soziopath ist und skrupellos seine Ziele verfolgt und von der Überlegenheit der „weißen Rasse“ überzeugt ist. Diese Darstellung verschärfte sich noch einmal in der Szene am Tisch, in der er sich an der Hand verletzt und sich nicht daran stört. DiCaprio hat sich wirklich verletzt gehabt und einfach weiter gespielt. Ein ganzer Kerl! 😀

Platz 7: Samuel L. Jackson als rassistischer Haussklave Stephen in „Django Unchained“, der im Prinzip Candies Gehirn ist. Noch böser, noch kränker. Jackson hat die Nase vorn, weil sein Charakter a) so clever b) so verabscheuungswürdig und c) fast schon parodistisch angelegt ist. Diese Performance hat mich zutiefst erschreckt und trotzdem auch amüsiert.

Platz 6: Ted Levine und Sir Anthony Hopkins als Buffalo Bill beziehungsweise als Dr. Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“. Hier nehme ich beide, weil sie beide gleich genial sind. Auf der einen Seite Levines kranke, völlig durchgeknallte Darstellung des Serienmörders, der sich danach sehnt, eine Frau zu sein. Auf der anderen Seite Hopkins als hochintelligenter, aber auch brutaler Kannibale. Beide sind für mich grandios!

Platz 5: Ralph Fiennes als SS-Hauptsturmführer Amon Göth in „Schindlers Liste“. Die Darstellung des sadistischen, unmenschlichen SS-Mannes gelingt Fiennes erschreckend realistisch, er tötet nicht nur aus, sondern er hält es für eine Pflichtaufgabe. Sein Befehl zur Räumung des Ghettos endet in einem Massaker. Eine Darstellung, die man nicht mehr vergisst.

Platz 4: Jack Nicholson als Jack Torrance in „Shining“. Er wird immer verrückter, das Overlook Hotel ergreift Besitz von ihm, Visionen und Wirklichkeit verschwimmen. Legendär der Ausspruch: „Hier ist Johnny!“ Eine phänomenale Darstellung eines Mannes, der den Verstand verliert.

Platz 3: Sergi López als Hauptmann Vidal in „Pans Labyrinth“. Der skrupellose Franco-treue Hauptmann ist einfach nur große Klasse dargestellt. Die Einzelheiten machen diesen Charakter aus, der eiskalt Menschen hinrichten lässt, denen er seine Anklagepunkte nicht einmal beweisen will. Der Mann läuft präzise wie ein Schweizer Uhrwerk, er scheint wirklich alles zu kontrollieren, von Wutausbrüchen bis hin zu seinem Rasier-Ritual. Die Tötungsmaschine des Faschismus schlechthin!

Platz 2: Kevin Spacey als John Doe in „Sieben“. Ein Serienkiller, der seine Opfer nach den sieben Todsünden auswählt und der Polizei immer einen Schritt voraus ist, das ist John Doe. Er ist eiskalt und intelligen, das macht seine Person aus. Spaceys Performance ist einfach genial, der Dialog im Auto kurz vor Schluss und überhaupt seine ruhige abgeklärte Art, sind einfach nur schweißtreibend!

Platz 1: Der Platz eins ist wohl von Anfang an klar gewesen: Natürlich ist es Heath Ledger als Joker in „The Dark Knight“. Er hat die Darstellung von Bösewichten im Film revolutioniert und es gleichzeitig unmöglich gemacht, eine vergleichbare Leistung abzuliefern. Sein Ziel ist kein Geld, er will Gotham City in Chaos stürzen und hat einfach Spaß am Zerstören – ein eigenwilliger Sinn für Humor. Er mag es, rechtschaffene Menschen durch extreme Situationen unmoralisch Handeln zu lassen (hier verweise ich nur auf Harvey Dent und die beiden Fähren, deren Passagiere (Kriminelle und normale Bürger) sich gegenseitig in die Lauf sprengen sollen. Der völlig verrückte Psychopath, der aber so clever ist, Gotham City an den Rand des Wahnsinns zu bringen, ist zu Recht der beste Filmschurke aller Zeiten und der Oscar für den viel zu früh verstorbenen Heath Ledger ist mehr als verdient.

Das waren sie, meine Lieblingsfilmschurken. Es werden sicherlich noch einige dazu kommen, wenn man mehr Filme sieht, aber einen anderen Platz eins, und da bin ich mir ganz sicher, wird es nicht geben.

Meine erste ausführliche Filmkritik! Enjoy!!!

OT: The Woman in Black
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 (DVD)
Produktionsland: Großbritannien, Kanada, Schweden
Regie: James Watkins
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Daniel Radcliffe, Ciarán Hinds, Janet McTeer, Liz White
Genre: Horror, Thriller, Drama

Trailer: siehe Youtube

Story: Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert: Nach dem Kindsbett-Tod seiner Frau steht Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) vor den Trümmern seines Lebens. Um seinen Job in einer Anwaltskanzlei nicht zu verlieren, soll er im Provinzkaff Crythin Gifford den Nachlass der verstorbenen Witwe Alice Drablow regeln. Doch schon kurz nach seiner Ankunft häufen sich merkwürdige Ereignisse: Nicht nur, dass ihn die Dörfler zum sofortigen Verlassen des Dorfes auffordern, auch die Kinder vor Ort scheinen unter dem Einfluss einer unbekannten und tödlichen Macht zu stehen. Immer tiefer gerät Kipps in die dunklen Geheimnisse des Ortes und er beginnt zu ahnen, dass er grauenvollen Ereignissen aus der Vergangenheit auf der Spur ist.

Kritik: Der Film basiert auf der 1983 erschienenen Novelle The Woman in Black der britischen Autorin Susan Hill. Das Werk ist bereits 1989 für das Fernsehen verfilmt worden, außerdem gab es Theater- und Hörspieladaptionen. Regisseur James Watkins sammelte schon mit dem 2008 angelaufenen Horror-Drama Eden Lake, seinem ersten FilmErfahrungen im Horror-Genre. Sein Erstlingswerk galt als positive Überraschung, laut Rotten Tomatoes gaben ihm 83% der Kritiker eine positive Wertung, in Deutschland wurde die Uncut-Version zu Eden Lake indiziert, die gekürzte Version erhielt von der FSK keine Jugendfreigabe. Jane Goldman schrieb das Drehbuch zu Die Frau in Schwarz, die Britin wirkte unter Anderem bei Kick-Ass und Eine offene Rechnung als Ko-Autorin mit. Der Film wurde von den legendären Hammer-Studios produziert, die für Genre-Klassiker wie Dracula mit Christopher Lee und Frankensteins Fluch mit Peter Cushing verantwortlich waren, dann aber insolvent gingen und 2007 vom niederländischen Filmproduzenten  John de Mol wiederbelebt wurden und sofort am genialen Vampir-Drama-Remake Let Me In mitwirkten. Mit Die Frau in Schwarz kehren die Hammer-Studios zu ihren Erfolgswurzeln zurück – dem Gothic-Horror.
Als Hauptdarsteller wurde kein geringerer als Daniel „Harry Potter“ Radcliffe verpflichtet, dem Ciarán Hinds als zweiter hochkarätiger Schauspieler zur Seite steht. Doch kann Radcliffe sein „Potter“-Image so einfach ablegen und in einem so ernsthaften Film überzeugen? Er kann – und wie er kann. Emotional, tiefgründig und spannend kommt der neue Gruselfilm daher, der nicht nur bloße Horrorszenarien aneinanderreiht, sondern eine dramatische und hochspannende Geschichte erzählt. Radcliffe brilliert regelrecht in seiner Rolle als trauernder alleinerziehender Vater, der versucht sowohl seinem Beruf als auch seinem Sohn gerecht zu werden. Dazu trägt wohl auch der Darsteller des kleinen Joseph Kipps bei, Misha Handley ist Radcliffes Patensohn und so ist die Vater-Sohn-Beziehung perfekt gelungen und wirkt nicht gekünstelt. Radcliffe verschmilzt völlig mit der Figur des Arthur Kipps. So groß der Schrecken auch sein mag, den er erlebt, er kann nicht davonlaufen. Irgendwie will er auch an das Gesehene glauben, in der Hoffnung, dass seine verstorbene Frau in einer anderen Welt auf ihn wartet. Ciarán Hinds überzeugt als durch und durch weltlicher Samuel Daily, der nicht an Geister glaubt oder besser gesagt nicht glauben will, und auch von der Vergangenheit gezeichnet ist. Außerdem jagt Liz White dem Zuschauer als Frau in Schwarz ordentliche Schrecken ein. Janet McTeer stellt die Frau von Samuel Daily wahnsinnig gut dar, die immer wieder gedanklich von ihrem verstorbenen Sohn besetzt wird und Botschaften aus dem Jenseits überbringt.
Anstatt auf Blutfontänen setzt Watkins hier auf Atmosphäre – und das gelingt ihm denkbar gut. Das England seines Films ist regnerisch, düster und nebelverhangen, die Gemäuer sind modrig und voller gotischer Accessoires. Die Atmosphäre steigert sich mit Fortlaufen des Filmes ins Unfassbare, man zieht die Knie fast schon automatisch heran und schaut zur Tür und zum Fenster, ob da nicht irgendwo etwas zu erkennen ist. So lässt einem schon das Knarren einer Diele und das Flackern einer Kerze im Film das Blut in den Adern gefrieren. Es gibt Puppen, Spieluhren, endlos lange Korridore, untote Kinder, Spiegel (übrigens genial genutzt) und einen furchteinflößenden Geist. Und dennoch gelingt es fast nie, den nächsten Schockeffekt vorauszusehen oder auch nur zu ahnen.
Der Streifen ist genial gefilmt und beleuchtet. Auch wenn der Film vor Grusel-Klischees nur so strotzt, er ist trotzdem einfach überzeugend. Selbst Hitchcock-mäßige Suspense-Momente lässt Watkins in seinen Film einfließen. Hier wird die alte Horror-Schule zelebriert, mit Kamerafahrten über das triste und neblige Marschland anstatt verwackelten Handkameras, mit knarzenden Dielen und dunklen Korridoren, surrealen Selbstmorden und immer wieder mit einem schwarz gekleideten Geist. Wie Watkins die Spannung aufbaut, das ist so gruselig wie erstklassig. Watkins weiß, wie man seine Zuschauer schockt. Dazu überzeugen die düstere Musik von Marco Beltrami und die tollen Soundeffekte. Das Ende ist so genial wie unkonventionell. Und ein zweiter Teil ist nach dem riesigen Erfolg (Budget: 15 Millionen US-$, Einspielergebnis: 127,7 Millionen US-$) schon in Planung.
Fazit: Meiner Meinung nach ein toller, altmodischer Grusel-Film, der ohne Blutexzesse und abgehackten Gliedmaßen, sondern durch eine wahnsinnig dichte und gruslige Atmosphäre besticht. Ein Film, bei dem einem der kalte Schweiß über den Rücken läuft und man sich immer wieder in seinen eigenen vier Wänden umschauen muss, ob sich in irgendeinem Schatten nicht doch irgendetwas bewegt hat. Watkins gelingt ein toller Film, der aufgrund seines „hohen ästhetischen Wertes“ von der Deutschen Film- und Medienbewertung völlig zurecht das „Prädikat wertvoll“ verliehen bekommen hat.
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