Mit ‘literatur’ getaggte Beiträge

Hölle im Eis

Veröffentlicht: 11. Juli 2013 in Aktualisierungen, Buch
Schlagwörter:, , , , , ,

Inhalt:

London 1937: Eine Gruppe junger Engländer bricht zu einer Forschungsreise in die Arktis auf. Doch die Expedition steht unter keinem guten Stern: Ein Teilnehmer nach dem anderen fällt aus, der Kapitän weigert sich, sie zu ihrem Bestimmungsort zu bringen. Zu dritt erreichen sie endlich Gruhuken. Die Einheimischen meiden den Ort. Reiner Aberglaube, davon sind Jack und seine Freunde überzeugt. Als einer von ihnen erkrankt und nur Jack zurückbleibt, häufen sich die merkwürdigen Vorfälle. Der arktische Winter naht. Schon bald ist Gruhuken von der Außenwelt abgeschnitten. Doch Jack ist überzeugt, nicht allein auf der Insel zu sein. Vor den Fenstern lauert etwas.

Meinung:

Der Klappentext klingt wirklich vielversprechend und so habe ich mich wirklich auf dieses Buch gefreut. Schon im Vornherein kann man sagen, dass meine wirklich hohen Erwartungen nochmal getoppt wurden. Warum?, das kläre ich im Folgenden.

Die Geschichte ist aus Jack Millers Perspektive, meist in Form seines Tagebuches, erzählt. Diese subjektive Betrachtung der Dinge ist ein erster Punkt, der mir wirklich sehr gut gefallen hat. Jack ist ein äußerst interessanter Charakter, mit Ecken und Kanten, arm, sehr sympathisch, er versucht mit dieser Expedition einen Start in ein neues Leben. Im Laufe der Geschichte entwickelt er sich glaubhaft weiter, überhaupt spielt das Thema „Entwicklung“ eine sehr große Rolle im Roman.
Zudem erfährt man anfangs viel über die Vorbereitungen der Expedition, die im Tagebuch festgehalten wurden und die Hintergründe der Expedition, sowie die Anreise und die Ankunft in Gruhuken. Erste Andeutungen auf die späteren Ereignisse fallen aber schon in diesem Teil – der Tod des Vaters eines Expeditionsmitgliedes, der Leichnam aus der Themse, der Widerwillen der Schiffsbesatzung, Gruhuken anzulaufen.
Im zweiten Teil, der mit dem Tag mit der ersten Nacht des Winters beginnt, gibt es eine erste Begegnung mit dem Grauen. Schon diese erste Szene ist so verdammt gruslig, obwohl sie doch ganz nüchtern geschildert wird. Der gesamte zweite Teil baut dann eine riesige Spannung auf und spätestens mit der krankheitsbedingten Abreise von Algie und Gus lässt das Buch einen nicht mehr los.
Die Isolation, Dunkelheit, Kälte und Angst schleicht sich in den Leser, oft fröstelt man beim Lesen und achtet auf jedes Geräusch in seiner Umgebung.

Die Beschreibungen sind wahnsinnig bildhaft, der Horror kommt schleichend, ist subtil, steigert sich, die Spannung zerreißt einen förmlich. Was der Geist ist, woher er kommt usw. wird zwar spekuliert, aber nicht über Seiten hinweg erklärt, so bleibt immer das Gefühl der Unwissenheit. Vieles spielt sich im Kopf des Lesers ab. Schon das Wissen um die Anwesenheit des Grauens erzeugt eine dermaßen starke Atmosphäre, dass einem mehr als einmal die Luft weg bleibt. Wieso man sich teilweise über die Geschichte aufgeregt hat, dass sie nur Mittel zum Zweck wäre, erscheint mir schleierhaft. Die Bilder, die Paver durch ihren Schreibstil projiziert, sind einfach grandios. Gruhuken erscheint scheinbar greifbar nah vor dem inneren Auge.

Neben der Horrorgeschichte ist „Dein Ende wird dunkel sein“ auch eine Reise in die Psyche eines Mannes, der allein und in Dunkelheit lebt und als einzigen Strohhalm zum Festklammern seine Routine hat. Die Panik in Jack überträgt sich förmlich auf den Leser. Darüberhinaus ist das Buch ein harter Selbstfindungstrip und eine Geschichte über die Beziehung von Mensch zu Hund und vom Schrecken des Alleineseins.
Ein genialer Roman bis zum erschreckenden Finale!

Das Buch muss man gelesen haben, um sich ein Bild davon zu machen. In einer Rezension ist das praktisch nicht zu beschreiben, wie brillant es ist!

Fazit:

Mit „Dein Ende wird dunkel sein“ gelingt Michelle Paver ein Geniestreich im Genre der Horrorliteratur. Vor den großen Namen der Horrorliteratur wie Stephen King, Susan Hill oder Edgar Allen Poe braucht sie sich nicht zu verstecken. Ich gehe sogar noch weiter: „Dein Ende wird dunkel sein“ ist einer der grusligsten Roman, die ich je gelesen habe und spielt in einer Liga mit den Größten des Horrors. Ein Meisterwerk, dass eine Verfilmung verdient hat.

*****/*****