Mit ‘rock’ getaggte Beiträge

„Fools and Worthless Liars“ der Band Deaf Havana zeichnet sich durch einen schön unspektakulären, bodenständigen Sound aus – man kann dazu schon fast Working-Class-Rock sagen. Zwischen melancholischen Balladen und krachenden Rocksongs ist auf der Platte alles vertreten.

Das Album beginnt mit dem akustischen Opener „The Past Six Years“, der sofort Lust auf mehr macht und eines meiner Lieblingsstücke auf der Platte ist. Das folgende „Youth In Retrospect“ ist ein melancholischer Rückblick auf alte Zeiten, der ordentlich rockt und ins Ohr geht. „I Will Try“ besticht durch einen brillanten Refrain und mit „Little White Lies“ schwenkt man in Pop-Punk-Gefilde ab, was einfach nur grandios ist. Der folgende Titel „Anemophobia“ behandelt das Thema Angst und wurde von Frontmann James Veck-Gilodi während einer für ihn psychisch schweren Zeit geschrieben, die Verzweiflung kann man in seiner Stimme regelrecht hören. „I’m A Bore, Mostly…“ handelt von täglicher Routine, das Lied setzt sich gleich im Kopf fest und ist einfach nur schön, genau wie das nächste Highlight „Hunstanton Pier“ ist ein schöner Titel für Veck-Gilodis und Lee Wilsons Schulort Hunstanton, der auch im Zuhörer eine gewisse Sehnsucht erzeugt. Mit „Filthy Rotten Scoundrel“ folgt ein Punk-Song erster Klasse, in dem der Frontmann von seinen Gefühlen erzählt. Das tolle „Things Change, Friends Leave and Life Doesn’t Stop for Anybody“ ist Ex-Bandmitglied Mellor gewidmet, der mit Veck-Gilodi schon lage befreundet ist und von eben jenem sehr vermisst wird. „Leeches“ erzählt, und das überrascht vom pop-punkigem Sound her schon etwas, von jemandem, der James Veck-Gilodi vor einiger Zeut sehr glücklich gemacht hat, dem aber schreckliches passiert ist. „The World Or Nothing“ kritisiert, wie wir unsere eigenen Körper mittels Alkohol selbst zerstören, da wir hoffen, unsere Sorgen einfach wegtrinken zu können. „Nelson’s County“ ist eine rockige Hymne über Norfolk und seine Menschen. Mit dem ruhigen und melancholoschen „Fifty Four“ endet diese kurzweilige CD.

Deaf Havana schaffen es mit dieser Platte, dem Hörer eine abwechslungsreiche und einfach nur schöne Zeit zu verschaffen. Man kann sich das Album nicht überhören, es ist einfach nur perfekt. Eine absolute Empfehlung an alle, die neben dem Radiogedudel auch anspruchsvollen und starken Rock mögen, der mit Einflüssen aus Pop-Punk, Balladen, Power-Pop, Post-Hardcore und Alternative Rock locker flockig daherkommt und die Jungs einfach nur sympathisch und bodenständig musizieren lässt.

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Dass Großbritannien eine sehr interessante und attraktive Alternative-Rock-Szene hat, ist nicht erst seit gestern bekannt. Deaf Havana gehört in eben jene Szene und beweisen mit „Fools and Worthless Liars“, dass sie mehr als nur eine Eintagsfliege sind. Nach dem großartigen Debüt „Meet Me Halfway, At Least“ folgte also Ende 2011 in England die nächste Platte, die Anfang 2012 dann auch in Deutschland erschien. Ohne Ryan Mellor fallen jedoch die Scream-Parts, die auf dem Debüt noch vorhanden waren, weg. Sowieso sind Deaf Havana eine sehr sympathische und talentierte Band. Mit ihrer Rockmusik erspielten sie sich die Herzen der Menschen im Sturm und gehören mittlerweile zu den besten englischen Rockbands des 21. Jahrhunderts.
Im Juli 2013 spielen sie in Berlin auf dem Flughafen eines ihrer Lieder und man sieht, was für einen Spaß die Jungs haben. Darüberhinaus sind sie St. Pauli-Sympathisanten, was sie gleich noch sympathischer macht.
Aber mal ohne Witz, die Jungs haben riesen Potential und könnten es schaffen, mit ihrer Musik auch international den absoluten Durchbruch zu feiern!

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The Intersphere sind leider kein wirklich großer Name im deutschen Musikbusiness, haben sich jedoch schon eine ordentliche Fangemeinde erspielt und rockten schon am Ring und im Park. Dennoch kam der große Durchbruch bis jetzt noch nicht, aber was nicht ist, kann ja immer noch werden.
Der Stil der Band wird von ihnen selbst als Rock, Alternative und Progressive bezeichnet, eine interessante Ausgangslage für das mittlerweile dritte Album der Mannheimer, auf das ich nur durch einen glücklichen Zufall gekommen bin, gedankt sei’s der Ordnung des Plattenladens meines Vertrauens und des interessanten Covers. Ich hab einfach mal zugegriffen und als das Album dann bei mir Zuhause in der Anlage landete, war ich wirklich begeistert. Ein solches Album hätte ich nie erwartet!
Im Folgenden werde ich die Titeln einzeln bewerten bewerten.

1. masquerade:
Wunderschöner, gitarrenlastiger Einstieg und dann hört man zum ersten Mal die starke Stimmer des Christoph Hessler und die Gitarren werden etwas zurückgeschraubt. Insgesamt ein melodischer Rock-Song mit eingängigem Refrain und Hit-Potenzial.
4,5/5

2. we are:
Einer meiner Lieblingstitel auf dem Album, der etwas härter als sein Vorgänger ist und ein toller Gitarren-Rocker ist, den man wunderbar mitsingen kann. Man hat hier schon Pop-Punk- und Post-Hardcore-Einflüsse, hinzu kommt ein starker Text.
5/5

3. sleeping god:
Dieses Gitarrenspiel in den Parts ohne Gesang, das sehr nach Metal klingt, ist einfach phänomenal. Überhaupt rockt auch sleeping god wieder ordentlich, der Refrain kommt mit einer melancholischen Kraft daher, die atemberaubend ist. Die Lyrics sind auch richtig gut und am Ende hat man noch einen geilen Scream dabei. Ein weiteres Highlight!
5/5

4. hold on, liberty!:
Cooler Titel, der klingt, als wäre er gerade frisch aus der Garage gekommen. hold on, liberty! ist ein Titel, der sich zwischen Garage-Rock und Pop bewegt und einfach locker klingt.
5/5

5. OPalinE:
Da haben wir es doch, das erste Midtempo-Stück mit emotionalem Refrain. Der Funken springt auch sofort über und man hat einen echten Ohrwurm, den man immer wieder gerne hört. Besonders schön auch wieder der Einsatz der Gitarren.
5/5

6. capitall:
Progressive Rock gepaart mit Punk-Attitüde und Pop-Einflüssen. Insgesamt ein schöner Song auf dem Album, ein ordentlicher Rocker, der im Vergleich zu den Vorgängern aber etwas abfällt.
4/5

7. open end:
Ruhiger Song, der für mich nach dem Indie-Rock der Südafrikaner The Parlotones klingt, am Ende aber nochmal ordentlich aufträgt und härter wird, wobei immer noch der melancholische Faktor im Vordergrund steht.
4,5/5

8. parallel lines:
Einer meiner Lieblinge auf dem Album. Das ist ein gefundenes Fressen für alle Progressive-Fans. Sehr anspruchsvoll und stark vorgetragen! Dazu noch die fast schon biblische Länge von siebeneinhalb Minuten. Das Ende ist eine musikalische Offenbarung, die sich über drei Minuten erstreckt. Das kann man auch sehr mutig nennen, da das Ende im Kontrast zum sonst so rockigen Song viel ruhiger ist. Am Ende steht fast eine Rockoper und das Gefühl, dass hier etwas ganz besonderes entstanden ist!
5/5

9. over:
Ein ruhiger Beginn mündet langsam aber sicher in einen melancholischen Rocker mit sehr gefühlvollem Gesang und gutem Text. Der ganze Titel erinnert mich etwas an Stanfour, sowohl vom Gesang als auch von der Musik her. over hat sich sofort in mein Herz gespielt.
5/5

10. aurora:
Mal wieder wunderschöner In-die-Fresse-Rock (die Bridge mal rausgenommen), schön straight gespielt und trotzdem hat man wieder das leicht melancholische Gefühl beim Hören des Titels. Auch hier driftet man etwas in die Pop-Punk-Richtung ab und das ist verdammt cool.
5/5

11. destination:
Und das ist schon das letzte Lied auf dem Album und trotzdem ist schon eine dreiviertel Stunde vorbeigegangen. Man hat hier einen sehr ruhigen Anfang und hymnenartigen, aber leisen, Gesang. Dann setzten die Instrumente ab der Hälfte etwas lauter ein, aber der Gesang bleibt wie er schon am Anfang war. Der Text ist wieder sehr gut und einen emotionaleren, melancholischeren Abschied kann man nicht bekommen, auch wenn ich mir irgendwie nochmal einen Kick am Ende gewünscht hätte.
4/5

Meinung:
Mit Hold on,Liberty! präsentieren The Intersphere ein (fast) perfektes Rock-Album mit durchgängig sehr guten Titeln und dem gewissen Etwas, das mittlerweile so vielen Musikern nichts mehr zu bedeuten scheint. Außerdem haben die Jungs starke Texte, die nicht einfach so „hingerotzt“ sind. Als einzige Konsequenz MUSS man hier fünf von fünf Punkten vergeben und man kann sich noch auf einiges der Band freuen.

Vom Stil her bewegt sich Hold on,Liberty! zwischen Progressive Rock, Punk, Pop-Punk, Indie-Rock und Emo.

Für Fans von gepflegter, moderner Rockmusik, wie sie zur Zeit so von keiner anderen Band gespielt wird ist Hold on,Liberty! genau das Richtige. Rockmusik wie sie sein sollte!

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Für ein Spiegel-Spezial vom Februar 1994 interviewte Campino, der Sänger der Punk-Band Die Toten Hosen, die damalige Jugendministerin Angela Merkel. Schon die  Vorstellung, dass unsere heutige Kanzlerin damals als Jugendministerin fungierte, ist so absurd und verstörend, dass man darüber gar nichts weiter sagen kann, das ist einfach unvorstellbar.

Aber egal, es war nun mal so und irgendwie haben die Jugendlichen das auch überstanden (oh Wunder!). Aber das Interview an sich ist schon sehr interessant, Campino stellt kluge Fragen und schafft es sogar, Merkel als etwas dämlich darzustellen. Aber seht selbst!
Ganz ehrlich, ich finde das schon fast bezeichnend für die Politik, die unsere Regierung so verzapft. Schon 1994 erkennt man, dass Merkel a) unsympathisch ist und b) Antworten gibt, die man sonstwie interpretieren kann. Und das Ende ist ja mal die dümmste Antwort aller Zeiten! 😀