Mit ‘tv’ getaggte Beiträge

Der Fußball ist wieder bei RTL

Veröffentlicht: 11. Juli 2013 in Aktualisierungen, Alltag, Sport
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Ja, richtig gelesen!

RTL wird die Spiele der deutschen Nationalelf für die Qualifikation zur EM 2016 und zur WM 2018 übertragen, wie gestern bekanntgegeben wurde. Der Privatsender erhielt den Zuschlag von der UEFA, während ARD und ZDF die Entscheidung „zur Kenntnis“ nahmen. Insgesamt sind das 20 Spiele, die nicht wie gewohnt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt werden, sondern auf den Privatsender übergehen. Die Endrundenpartien werden aber weiterhin von ARD beziehungsweise ZDF übertragen werden.

Was ich persönlich davon halten soll, weiß ich nicht so genau. Erstens sind die Expertenteams im öffentlich-rechtlichen TV sehr sympathisch und gehören für mich mittlerweile zu Länderspielen dazu, zweitens hat man auf ARD und ZDF bei den Spielen in der Halbzeit oder nach dem Spiel keine Werbung, maximal eine heute- oder Tagesschau-Sendung, die auch irgenwie sein müssen.

Andererseits gefiel mir die RTL-Übertragung zur WM 2010 erstaunlich gut, was aber vor allem an Günther Jauch und Jürgen Klopp als Moderatoren lag, von denen ich hoffe, wenigstens einen auch da zu sehen. Darüber hinaus hat RTL ja schon so etwas wie eine Fußball-Tradition, immerhin lief die Sendung „Anpfiff“, von der mein Vater immer wieder mal schwärmt, ja auch auf RTL. Am Ende tut etwas frischer Wind ja vielleicht auch gut – wir werden sehen!

Willkommen in Hamburg!

Veröffentlicht: 10. März 2013 in Aktualisierungen, Alltag, Film
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Es wurde ja viel gelästert über Til Schweiger als Tatort-Kommissar, ein Shitstorm sondergleichen kann man fast schon sagen. Hier war es der Name, der dem Star nicht passt, dort war es der Vorspann, der laut Schweiger ‚outdated‘ ist (da hat er übrigens völlig Recht!). Jedenfalls war das für jeden Tatort-Fundamentalisten ein Sakrileg. Doch Schweigers erster Tatort müsste auch seine größten Kritiker zum Verstummen bringen.

Ich war ja nach Mehmet Kurtulus‘ Abgang auch erst skeptisch, ob Schweiger in die großen Fußstapfen treten kann, oder ob er kläglich scheitern wird. Trotzdem habe ich mich seit drei Wochen auf den heutigen Tatort gefreut, ohne Witz.

Die Ausgangslage:  „Blutbad bei LKA-Einsatz“, titelt die Zeitung. Verantwortlich für die Schlagzeile ist der neue Hamburger Ermittler Nick Tschiller. Er soll mit Partner Yalcin Gümer eigentlich nur eine Wohnung überprüfen. Aber vor Ort trifft er auf verschleppte Mädchen, die zur Prostitution gezwungen werden – und mehrere Gangster. Es kommt zur Schießerei. Das Resultat: drei tote Verbrecher, eine Schusswunde für Gümer und viel Ärger für Tschiller. Er will die Mädchen retten. Hat sein Expartner Max etwas mit der Sache zu tun?

Um diese Story konstruierte Regisseur Christian Alvart den neuen Tatort, der eher als Action-Thriller als als TV-Krimi daherkommt. Die Action ist grandios gemacht, harte Schießereien und der Einsatz von Handkameras zeigen ihre Wirkung und erinnern an richtig gute US-Achtionfilme á la Stirb langsam oder an das Vorbild für Willkommen in Hamburg, Lethal Weapon. Das macht a) großen Spaß und ist b) einfach etwas erfrischend neues in der Reihe der teilweise zu politischen Tatorte der letzten Zeit, die kaum Action intus hatten (damit meine ich natürlich nicht die grandiosen Wiener Fälle, oder alle etwas actionreicheren Fälle der letzten Zeit). Die Besetzung ist durch die Bank weg perfekt, Schweiger nimmt man den Actionheld auf der einen und liebevollen, natürlich geschiedenen, Vater auf der anderen Seite wirklich ab. Seine Tochter Luna gefällt in der Rolle als seine Filmtochter Lenny, dazu gesellt sich der grandiose Mark Waschke, der Tschillers ehemaligen Partner Max Brenner (Wie der Pass. – Welcher Pass? Wie der Tunnel!“) herrlich fies verkörpert. Nicht zu vergessen ist aber der geniale Fahri Yardim als Tschillers „Neuer“ Yalcin Gümer, der nach seiner Verletzung im Krankenhaus liegt und Nick mit Rat und Tat unterstützt und nebenbei die Krankenschwester anbaggert.

Dieser Tatort macht Schluss mit konventionellen Fällen, Schluss mit zänkischen Kommissaren und Gerichtsmedizinern, Schluss mit Psychologen, Schluss mit langwierigen Ermittlungen – er macht kurz gesagt Schluss mit dem herkömmlichen Tatort. Tschiller löst seine Probleme gerne mit der Pistole und das ist einfach nur saucool.

Auch der Humor kam nicht zu kurz. Da wäre zum einen der Schwanzwergleich (im wahrsten Sinne des Wortes) von Tschiller und Komissar Falke (Wotan Wilke-Möhring), dem anderen neuen in Hamburg, zum anderen hätten wir noch coole Dialoge zwischen Tschiller und Gümer, außerdem gäbe es da noch die Rollstuhlfahrer-Geschichte und der Spruch des Abends „Schiller wie der Dichter?“ – „Welcher Dichter? Nee, mit T vorne. Tschiller. Ich nuschel ’n bisschen.“ – so wunderschön selbstironisch kann Schweiger sein, klasse.

Dieser Tatort war einfach genial und hätte genauso gut ein klasse Kinofilm sein können. Nächstes Jahr kommt Schweigers zweiter – schade, einmal Tschiller pro Jahr ist echt zu wenig!

Man kann nur sagen: Weiter so, genau das wollen wir sehen!

Meine erste ausführliche Filmkritik! Enjoy!!!

OT: The Woman in Black
Länge: 95 Minuten
FSK: ab 16 (DVD)
Produktionsland: Großbritannien, Kanada, Schweden
Regie: James Watkins
Musik: Marco Beltrami
Darsteller: Daniel Radcliffe, Ciarán Hinds, Janet McTeer, Liz White
Genre: Horror, Thriller, Drama

Trailer: siehe Youtube

Story: Um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert: Nach dem Kindsbett-Tod seiner Frau steht Arthur Kipps (Daniel Radcliffe) vor den Trümmern seines Lebens. Um seinen Job in einer Anwaltskanzlei nicht zu verlieren, soll er im Provinzkaff Crythin Gifford den Nachlass der verstorbenen Witwe Alice Drablow regeln. Doch schon kurz nach seiner Ankunft häufen sich merkwürdige Ereignisse: Nicht nur, dass ihn die Dörfler zum sofortigen Verlassen des Dorfes auffordern, auch die Kinder vor Ort scheinen unter dem Einfluss einer unbekannten und tödlichen Macht zu stehen. Immer tiefer gerät Kipps in die dunklen Geheimnisse des Ortes und er beginnt zu ahnen, dass er grauenvollen Ereignissen aus der Vergangenheit auf der Spur ist.

Kritik: Der Film basiert auf der 1983 erschienenen Novelle The Woman in Black der britischen Autorin Susan Hill. Das Werk ist bereits 1989 für das Fernsehen verfilmt worden, außerdem gab es Theater- und Hörspieladaptionen. Regisseur James Watkins sammelte schon mit dem 2008 angelaufenen Horror-Drama Eden Lake, seinem ersten FilmErfahrungen im Horror-Genre. Sein Erstlingswerk galt als positive Überraschung, laut Rotten Tomatoes gaben ihm 83% der Kritiker eine positive Wertung, in Deutschland wurde die Uncut-Version zu Eden Lake indiziert, die gekürzte Version erhielt von der FSK keine Jugendfreigabe. Jane Goldman schrieb das Drehbuch zu Die Frau in Schwarz, die Britin wirkte unter Anderem bei Kick-Ass und Eine offene Rechnung als Ko-Autorin mit. Der Film wurde von den legendären Hammer-Studios produziert, die für Genre-Klassiker wie Dracula mit Christopher Lee und Frankensteins Fluch mit Peter Cushing verantwortlich waren, dann aber insolvent gingen und 2007 vom niederländischen Filmproduzenten  John de Mol wiederbelebt wurden und sofort am genialen Vampir-Drama-Remake Let Me In mitwirkten. Mit Die Frau in Schwarz kehren die Hammer-Studios zu ihren Erfolgswurzeln zurück – dem Gothic-Horror.
Als Hauptdarsteller wurde kein geringerer als Daniel „Harry Potter“ Radcliffe verpflichtet, dem Ciarán Hinds als zweiter hochkarätiger Schauspieler zur Seite steht. Doch kann Radcliffe sein „Potter“-Image so einfach ablegen und in einem so ernsthaften Film überzeugen? Er kann – und wie er kann. Emotional, tiefgründig und spannend kommt der neue Gruselfilm daher, der nicht nur bloße Horrorszenarien aneinanderreiht, sondern eine dramatische und hochspannende Geschichte erzählt. Radcliffe brilliert regelrecht in seiner Rolle als trauernder alleinerziehender Vater, der versucht sowohl seinem Beruf als auch seinem Sohn gerecht zu werden. Dazu trägt wohl auch der Darsteller des kleinen Joseph Kipps bei, Misha Handley ist Radcliffes Patensohn und so ist die Vater-Sohn-Beziehung perfekt gelungen und wirkt nicht gekünstelt. Radcliffe verschmilzt völlig mit der Figur des Arthur Kipps. So groß der Schrecken auch sein mag, den er erlebt, er kann nicht davonlaufen. Irgendwie will er auch an das Gesehene glauben, in der Hoffnung, dass seine verstorbene Frau in einer anderen Welt auf ihn wartet. Ciarán Hinds überzeugt als durch und durch weltlicher Samuel Daily, der nicht an Geister glaubt oder besser gesagt nicht glauben will, und auch von der Vergangenheit gezeichnet ist. Außerdem jagt Liz White dem Zuschauer als Frau in Schwarz ordentliche Schrecken ein. Janet McTeer stellt die Frau von Samuel Daily wahnsinnig gut dar, die immer wieder gedanklich von ihrem verstorbenen Sohn besetzt wird und Botschaften aus dem Jenseits überbringt.
Anstatt auf Blutfontänen setzt Watkins hier auf Atmosphäre – und das gelingt ihm denkbar gut. Das England seines Films ist regnerisch, düster und nebelverhangen, die Gemäuer sind modrig und voller gotischer Accessoires. Die Atmosphäre steigert sich mit Fortlaufen des Filmes ins Unfassbare, man zieht die Knie fast schon automatisch heran und schaut zur Tür und zum Fenster, ob da nicht irgendwo etwas zu erkennen ist. So lässt einem schon das Knarren einer Diele und das Flackern einer Kerze im Film das Blut in den Adern gefrieren. Es gibt Puppen, Spieluhren, endlos lange Korridore, untote Kinder, Spiegel (übrigens genial genutzt) und einen furchteinflößenden Geist. Und dennoch gelingt es fast nie, den nächsten Schockeffekt vorauszusehen oder auch nur zu ahnen.
Der Streifen ist genial gefilmt und beleuchtet. Auch wenn der Film vor Grusel-Klischees nur so strotzt, er ist trotzdem einfach überzeugend. Selbst Hitchcock-mäßige Suspense-Momente lässt Watkins in seinen Film einfließen. Hier wird die alte Horror-Schule zelebriert, mit Kamerafahrten über das triste und neblige Marschland anstatt verwackelten Handkameras, mit knarzenden Dielen und dunklen Korridoren, surrealen Selbstmorden und immer wieder mit einem schwarz gekleideten Geist. Wie Watkins die Spannung aufbaut, das ist so gruselig wie erstklassig. Watkins weiß, wie man seine Zuschauer schockt. Dazu überzeugen die düstere Musik von Marco Beltrami und die tollen Soundeffekte. Das Ende ist so genial wie unkonventionell. Und ein zweiter Teil ist nach dem riesigen Erfolg (Budget: 15 Millionen US-$, Einspielergebnis: 127,7 Millionen US-$) schon in Planung.
Fazit: Meiner Meinung nach ein toller, altmodischer Grusel-Film, der ohne Blutexzesse und abgehackten Gliedmaßen, sondern durch eine wahnsinnig dichte und gruslige Atmosphäre besticht. Ein Film, bei dem einem der kalte Schweiß über den Rücken läuft und man sich immer wieder in seinen eigenen vier Wänden umschauen muss, ob sich in irgendeinem Schatten nicht doch irgendetwas bewegt hat. Watkins gelingt ein toller Film, der aufgrund seines „hohen ästhetischen Wertes“ von der Deutschen Film- und Medienbewertung völlig zurecht das „Prädikat wertvoll“ verliehen bekommen hat.
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